Feunix – ein durchaus vielschichtiger Name. Die Assoziation mit dem griechischen Feuervogel, der im Alter in Flammen aufgeht und aus der Asche wieder aufersteht, liegt dabei besonders nahe. Erst in der Schreibweise versteckt liegt dann das französische Feuer (le feu). Wenn ihr aber wissen wollt, wer Feunix wirklich ist, dann müssen wir hier Geheimnisse lüften, die nie ein Mensch zuvor gehört hat… Feunix – die Endung sollte euch bekannt vorkommen! Seine Geschichte beginnt in einem weit herum bekannten gallischen Dorf, und sie beginnt schon viele Jahre vor jener der beiden Helden, welche besagtem Dorf letztendlich seine Bekanntheit verliehen haben. Feunix ist der Sohn von Mirakulix, dem gallischen Druiden, der Asterix, Obelix und seinem ganzen Dorf durch seinen Zaubertrank übermenschliche Kräfte verleiht. Nur so konnte dieses Dorf als einziges aller Gallischen Dörfer den römischen Legionären widerstehen… Moment mal… da schleicht sich doch eine klitzekleine Unstimmigkeit in die Geschichte! Nun, jedes gallische Dorf hat doch einen Druiden! Und der alte Mirakulix wird ja wohl das Rezept für seinen Trank nicht einfach mutwillig für sich behalten haben, während Dorf um Dorf den Römern zum Opfer gefallen ist?! Dafür gibt es nur eine einzige Erklärung: Das Geheimnis der übermenschlichen Kraft liegt nicht am Trank alleine! Und wie ihr nun sicherlich vermuten möget, hat dieses Geheimnis ganz direkt mit Feunix zu tun… Aber ich will nicht vorgreifen, darum hört euch die Geschichte doch einfach von Anfang bis Schluss an:

Es war einmal ein kleiner gallischer Junge, der hiess Gwundrix. Er wohnte in einem typischen gallischen Dorf, in einer Zeit als die Römer noch in Rom geblieben sind und die Gallier in Ruhe und Frieden zusammen lebten. Gwundrix war ein aufgeweckter Junge. Manchmal fast ein bisschen zu aufgeweckt. So zumindest berichteten das seine Eltern. Er war selbst für einen kleinen Jungen besonders neugierig, und liess sich von niemandem von seinen gelegentlich recht waghalsigen Abenteuern abhalten. Nur wenn er bei den Druiden sass, und abends am Feuer ihren Erzählungen lauschte, nur dann sah man Gwundrix still und reglos mit grossen Augen dasitzen. Es hat dann auch niemanden erstaunt, als Gwundrix mit sechzehn Jahren in den Heiligen Wald zog, um das Handwerk der Druiden zu erlernen. Auch seine Lehrer hatten ihre liebe Mühe mit dem jungen Gwundrix. Seine Neugier und sein Wissensdurst waren kaum zu stillen, und schon im ersten Lehrjahr interessierte er sich mehr für die Geheimnisse der oberen Semester als für die Techniken zum Misteln schneiden und andere Grundlagen. Besonders fasziniert hat ihn dabei immer der magische Trank, den die Lehrlinge nach dem sechsten Lehrjahr zur Initiation verabreicht bekamen. Als dann in seinem fünften Lehrjahr die Nachricht von der Invasion der Römer den Heiligen Wald erreichte, da konnte Gwundrix nicht mehr still halten. Er hatte das Gefühl, alles gelernt zu haben, das es zu lernen gab, und wollte kein weiteres Jahr mit seiner Ausbildung verbringen, während das Land und letztendlich auch sein Dorf von den Römern erobert wurde. Er ging zu seinen Lehrern und verkündete ihnen, er werde nun in die Welt ziehen und eine Waffe gegen die Römer finden. Natürlich lachten ihn die Lehrer aus: „Da müsstest du ein Wunder vollbringen! Wir können den Lauf der Welt nicht beeinflussen. Bleib lieber hier im Heiligen Wald, hier werden uns die Römer nicht so schnell finden, und schliesse deine Studien ab!“. Aber sie hatten nicht mit Gwundrix’s Sturheit gerechnet. Nicht etwa dass dieser nun einfach gegangen wäre, nein, zum Abschied genehmigte er sich auch noch ganz dreist einen tiefen Schluck aus der Flasche mit dem Zaubertrank, der ihn schon seit Jahren dermassen fasziniert hat. Denn ohne diese Erfahrung mochte der junge beinahe-Druide dann doch nicht gehen. Ein Entscheid, den er kurz darauf schon zu bereuen begann. Denn ein ganzer Schluck des Trankes reicht normalerweise für einen vollen Jahrgang von Druiden aus, und ihr wollt wohl lieber nicht so genau wissen, was dieser Trank alles enthält! Unumstritten sind dabei nur die magischen Pilze, aber diverse Quellen berichten auch von Nachtschatten und weiteren, noch viel exotischeren Kräutern. Gwundrix wurde dabei so urplötzlich ins Reich der Feen katapultiert, dass seine Lehrer später ausgesagten, er habe sich vor ihren Augen in Luft aufgelöst! „Der wird wohl keine Wunder mehr tun.“ Meinten sie, oder: „Ein ganzer Schluck! Das überlebt keiner!“, und viele waren auch der Meinung: „Geschieht ihm auch recht für seine Frechheit!“.

Gwundrix aber fand sich an seltsamen Orten vor, die einfach nicht in Gallien sein konnten, und die sich dazu auch noch von einer Sekunde auf die andere komplett verändern konnten. Kaum glaubte er einen Menschen zu sehen, den er nach dem Weg zu seinem Dorf fragen konnte, da verwandelte dieser sich in eine Wolke, einen Baum, oder bestenfalls in irgendein Tier. Bald erkannte er, dass er sich hoffnungslos im Feenreich verloren hatte. Doch Gwundrix hat in der Schule mehr als nur seine Hausaufgaben gemacht, und er erinnerte sich an ein Buch über das Feenreich, das er während seinen privaten Studien gelesen hatte: „Bist du verloren in den Nebeln, so braucht es mehr als Glück. Nur deine Kinderträume, die bringen dich zurück!“ So hatte er dort gelesen. Er brauchte sich also auf eine schöne Erinnerung aus seiner Kindheit zu konzentrieren, um den Weg durch die verworrenen Bilder und Szenen zu finden, und so versuchte er sich seinen ersten Abend am Feuer der Druiden bildlich vorzustellen. Und tatsächlich, schon sah er das Feuer vor sich! Er stürmte darauf zu. Doch da waren keine Druiden um das Feuer. Stattdessen sass, mittendrin in der heissesten Glut, eine wunderhübsche Feuerelfe, und blickte ihn lächelnd an. Das bezaubernde Wesen erweckte eine Neugier in ihm, die selbst dem jungen Gwundrix noch unbekannt war! So blieb er also bei der Feuerelfe, und ganz bestimmt wäre er noch sein ganzes Leben dort geblieben, hätte dann nicht doch die Wirkung des Zaubertrankes nach drei Tagen nachgelassen. Als Gwundrix am Abend des dritten Tages in den Armen der Feuerelfe einschlief, erwachte er morgens wieder im Bett in seinem Heimatdorf. Doch immer wenn er ab nun in seinem Herd ein Feuer entzündete, dann konnte er die Elfe in den Flammen sehen. Mit der Zeit lernte er auch so mit ihr zu sprechen. Und so staunte er nicht schlecht, als sie ihm nach drei Monaten ein kleines Bündel aus den Flammen reichte: „Es ist unser Sohn.“ sagte sie „Er ist von deinem Fleisch und Blut gezeugt, und muss seine ersten sieben Lebensjahre in deiner Welt verbringen. Der Junge besitzt die Kraft des Feuers, und kann dir und deinem Dorf gegen die Römer helfen.“

So nahm er den Jungen entgegen und nannte ihn Feunix. Als er dann mit dem kleinen in den Heiligen Wald ging, um seine Lehrer um Rat zu fragen, da trauten diese ihren Augen kaum: „Gwundrix ist nicht tot! Er ist zurück, und hat ein Elfenkind bei sich! Er hat tatsächlich ein Wunder vollbracht! Wir nennen ihn ab heute Mirakulix!“. Feunix war ein wahrhaft feuriges Kind, und er entwickelte sich schneller als andere Kinder! Bereits mit drei Jahren begann er mit glühender Kohle zu jonglieren, und je älter er wurde, desto ausgefallener und ausgeklügelter wurden seine Spielzeuge… doch immer mussten sie brennen! Mit sieben Jahren wurde er Erwachsen, und es war für ihn an der Zeit, seinen Vater wieder zu verlassen und zu seiner Mutter ins Feenreich zu ziehen. Doch als Kind zweier Welten konnte Feunix jederzeit durch das Feuer zu seinem Vater kommen. Nur mit seiner Kraft konnte Mirakulix aus einem simplen Tee den Zaubertrank bereiten, der dem ganzen Dorf übermenschliche Kräfte verlieh. Just zu dieser Zeit hatten die Römer schon fast ganz Gallien eingenommen, ausser eben ein einzelnes gallisches Dorf… aber das sind dann andere Geschichten. „Und warum ist denn dieser Feunix in den Büchern über Aterix und Obelix nicht erwähnt?“, so mögt ihr euch nun fragen! Nun, ganz einfach: Ein Geheimnis wäre ja kein Geheimnis, wenn man es einfach so in Bücher hinein schreibt! „Und was tut Feunix heute?“, so könnte die nächste Frage lauten. Nachdem dann die Römer vor mittlerweile doch auch schon einigen Jahren nicht mehr in Gallien wüten, sind seine Dienste im besagten Dorf nicht mehr so dringend gefragt, und so erkundet er seither einfach ein bisschen die Welt. Er schaut hier und dort einmal zu einem Feuer hinaus. Ganz besonders mag er aber die wirbelnden Feuer, die überall dort zu finden sind, wo jemand mit Feuer jongliert. Genauso, wie er es in seiner Kindheit in dieser Welt getan hat. Dort fühlt er sich zuhause, und diesen Feuerspielern verleiht er auch weiterhin gerne seine magischen Kräfte…